Allgemein

Trainerwechsel, leicht gemacht

Lesezeit: 223 Sekunden

…oder: So geht Copy/Paste-Krisen-PR – zwei Trainerrücktritte, eine Pressemitteilung.

In dieser Woche hatte ich einen doofen Job zu erledigen: Der Trainer unseres Handballteams ist zurückgetreten. Emotional schwierig, aber so geht es eben manchmal im Sport. In der 2. Liga bekommt so ein Schritt schon eine gewisse Aufmerksamkeit, also habe ich für den Verein eine Pressemitteilung verfasst (ich bin dort Pressesprecher in ehrenamtlicher Funktion), die auf den einschlägigen Handballportalen veröffentlicht wurde. Sie enthält Original-Zitate der Verantwortlichen – keine Worthülsen, sondern ernst gemeintes Bedauern. Wer die Beteiligten kennt, wird die persönliche Prägung der Sätze erkennen. Nachzulesen beispielsweise auf der Webseite des Vereins.

Heute nun erreichte mich ein Link, der zur VTZ Saarpfalz führt, deren Trainer im Lauf der Woche zurückgetreten ist. (Oh… der Link ist inzwischen tot… tz. Aber siehe Screenie unten.)

Dass nun deren Vorstand die EXAKT SELBEN Worte zum Abschied des Trainers wählt wie unsere Geschäftsführung und sportliche Leitung, verwundert mich. Etwas. Sehr.

Nur einige kleine Beispiele:

Original:

Uli Roth, sportlicher Leiter der SGL, sagte, die Entscheidung seines langjährigen Weggefährten verdiene großen Respekt: „Persönlich bin ich sehr traurig. Wir haben Holger unglaublich viel zu verdanken. Das Team muss nun reagieren. Wir werden Marc Nagel mit aller Macht dabei unterstützen, die Zäsur zu bewältigen.“

Plagiat:

Klaus Biehl von der VTZ-Vorstandschaft sagte, die Entscheidung, die er respektiert und akzeptiert, verdiene großen Respekt: „Persönlich bin ich sehr traurig. Wir haben Andreas sehr viel zu verdanken. Das Team muss nun reagieren. Wir werden Mirko Schwarz mit aller Macht dabei unterstützen, die Zäsur zu bewältigen.“

Oder:

Original:

Wir bedauern Holgers Schritt außerordentlich“, sagte SGL-Geschäftsführer Jörn Schmitt, „die Initiative das Amt niederzulegen ging von ihm aus. Er bat darum, seinen Vertrag aufzulösen. Diesem Wunsch sind wir nachgekommen, obwohl das Management keine Notwendigkeit sah, dass er seinen Posten räumt. Der Erfolg seit dem Neubeginn bei der SG Leutershausen ist mit seinem Namen ganz eng verbunden.“ Die Beendigung des Engagements sei gänzlich in Freundschaft, ohne böse Worte vonstatten gegangen.

Plagiat:

Wir bedauern den Schritt von Andreas außerordentlich“, sagte Klaus Biehl, „die Initiative das Amt niederzulegen, ging von ihm aus. Wir sind seinem Wunsch nachgekommen, obwohl die Vorstandschaft keine Notwendigkeit sah, dass er seinen Posten räumt. Die Beendigung des Engagements sei gänzlich in Freundschaft, ohne böse Worte vonstatten gegangen“.

(Sic: Da hat jemand den Konjunktiv der indirekten Rede aus dem Original in Anführungszeichen der direkten Rede gepackt.)

Zuletzt noch: der Einstieg in den Text.

Original:

Bei der SG Leutershausen gibt es eine Veränderung in der sportlichen Führung des Zweitligateams: Holger Löhr tritt von der Position als Trainer mit sofortiger Wirkung zurück. Marc Nagel ist damit bis auf weiteres alleiniger Coach der „Roten Teufel“.

Löhr zieht nach den zuletzt schlechten Leistungen seines Teams einen Schlussstrich. Am Dienstagabend trat er vor die Mannschaft, um das Ende seiner Trainertätigkeit bei der SGL zu erklären […]

Plagiat:

(dis) Bei den Handballern der VT Zweibrücken gibt es eine Veränderung in der sportlichen Führung des Drittligisten: Andreas Grub tritt überraschend von der Position als Trainer mit sofortiger Wirkung zurück. Mirko Schwarz, aktueller Trainer der 2. Mannschaft, ist bis auf weiteres alleiniger Coach.

Grub zieht nach den zuletzt schlechten Leistungen seines Teams mit dem Saisonstart von fünf Niederlagen und 0:10 Punkten einen Schlussstrich. Am Dienstagabend trat er vor die Mannschaft, um das Ende seiner Trainertätigkeit bei der 1. Mannschaft der VTZ zu erklären.

Und auch sonst scheinen die Ereignisse in Zweibrücken deckungsgleich zu unseren gelaufen zu sein. Also: wörtlich gleich.

Was mich an der Geschichte ärgert, ist nicht so sehr der Textklau als solcher. Den stecke ich weg. Viel krasser finde ich, wie hier über einen sehr individuellen und emotionalen Vorgang wie den Rücktritt eines Trainers eine Schablone gelegt wird. Nach dem Motto: Super, passt schon. Aber das wird der Situation nicht gerecht. Mag sein, dass sich im Sport zuweilen Geschichte scheinbar wiederholt, Trainerwechsel gibt es gefühlt ständig – dennoch gibt es bei jedem neuen Fall eine neue, individuelle Konstellation. Und die sollte nicht in Textbausteine passen, sondern jedes Mal neu in die Tastatur fließen.

Wer mag, kann sich ja mal den Spaß machen und den Text des Screenshots mit dem Originaltext der SG Leutershausen unter dem Link oben abgleichen. Eine Plagiatssoftware ist dafür nicht notwendig 😉 .

20131003-220403.jpg