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früher.vogel.wurm liegt in Niedersachsen

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geoloc_rnf_schreibtisch

Was für eine blöde Überschrift. Was soll das denn heißen? Außerdem fehlt da ein „fängt“. Mindestens! Und überhaupt – Niedersachsen? Aber es stimmt: früher.vogel.wurm liegt in Heidenau in Niedersachsen, ganz in der Nähe der A1. Wobei „früher.vogel.wurm“ keine verkürzte Form der Redensart sein soll und auch gar nichts mit ihr zu tun hat, sondern lediglich den Code der Geo-Lokalisierung des Dienstes what3words darstellt.

(Ich hätte auch eine Phrase wie „frosch.sucht.fahrrad“ für den Einstieg nehmen können – aber das gibt’s nicht. Nur „frosch.bucht.fahrrad“ – und das liegt in China. Aber halt… ich schweife ab, noch bevor der Text überhaupt begonnen hat.)

Keine Ahnung, warum mir dieses Ding erst an diesem Wochenende über den Weg gelaufen ist. Das Start-up existiert seit 2013, und ich finde es genial. Der Wikipedia-Eintrag über w3w gibt kompakt Aufschluss darüber, was es mit dem Dienst auf sich hat: Er teilt die Erdoberfläche in drei mal drei Meter große Quadranten auf. Jeder Quadrant bekommt einen eindeutigen, aus drei Worten zusammengesetzten Namen – siehe oben. Wahlweise in Deutsch, aber auch in Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch. 25.000 Vokabeln in Dreierkombinationen zusammengesetzt ergeben genügend Möglichkeiten, um 17 Billionen Quadranten, die die Landmasse der Erde ausmachen, eindeutig zu beschreiben. In Englisch haben die Entwickler 40.000 Vokabeln verarbeitet. Das genügt, um die Geolokalisierung auf 57 Billionen Quadranten auszuweiten, die dann auch die Meere einschließen.

Und was bringt’s?

what3words_logo

Auf diese Weise können auch Orte leicht verständlich adressiert werden können, die bisher keine Adresse haben – in unseren Breiten- und Längengraden eventuell irgendwelche Waldhütten, Hausboote oder Autobahn-Nothaltebuchten. Da klingt dann zwar die URL http://w3w.co/geringste.haustür.lacht vielleicht nicht unbedingt sinnvoll, ist aber ganz sicher eingängiger als die offizielle Geo-Koordinate 49.583838, 8.634099. Einige Navigationsgeräte und Apps setzen die Dreiwort-Codes bereits ohne weiteren Aufwand um. Sie können beispielsweise auch genutzt werden, um im Notfall eindeutige Ortsangaben zu machen – mit einer Genauigkeit von 3 auf 3 Metern.

Aber das ist nicht einmal das eigentlich Interessante: Laut einem Artikel in der deutschen Wired (den mir @wortfeld in die Timeline spülte) leben weltweit vier Milliarden Menschen ohne Postadresse. Sie haben nun die Möglichkeit, eindeutig zu kommunizieren, wo sie leben, und zwar in klaren Worten.

Bei mir forderte w3w den Spieltrieb direkt heraus. Natürlich wollte ich wissen, auf welche Worte w3w bei meiner Wohnung, dem Haus meiner Eltern, dem Mannheimer Wasserturm (bahnhöfen.aktuelle.zeit) oder dem Bullypunkt im Zentrum der SAP-Arena (pfeile.streben.heraus) referenziert. w3w gibt’s natürlich nicht nur browserbasiert, sondern auch als App für iOS und Android.

Mein Schreibtisch im Sender steht übrigens im Quadranten http://w3w.co/faszinierende.erleben.bereit. Nicht so schlecht getroffen, oder? Jedenfalls besser als die Kollegen von der Broadcast-Technik, die drei Büros weiter sitzen: http://w3w.co/richtig.zufrieden.schnaps. Kein Spaß. Isso. Wirklich. Klickt drauf. Und: Prost!