RNF

Warum ich mich in letzter Zeit etwas rar gemacht habe: RNF hat einen Investor gefunden

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Ich habe mich in letzter Zeit hier und überall im Social Web etwas rar gemacht. Ein ganz wesentlicher Grund dafür war, dass wir mit sehr viel Energie am Erhalt unseres Fernsehsenders RNF gearbeitet haben. Nach vielen Monaten der Unsicherheit hat sich nun eine Lösung aufgetan, die in Zukunft eine Menge Potenzial für alle Beteiligten entfalten kann. Mehr als nur ein Wermutstropfen ist, dass wir in der Sanierung die Zahl der Stellen auf rund 30 verknappen mussten. Wer RNF ein bisschen näher kennt, der weiß, dass dort nicht nur einfach „Kollegen“ arbeiten, sondern Freunde, mit denen man ganze Lebensphasen durchlebt, miteinander gelitten und sich gefreut hat. Einige von ihnen nun nicht mehr ganz natürlich jeden Tag sehen zu können, diese ganz unterschiedlichen Charaktere, das ist heute – fast am Ende des Monats, der die meisten Weichen in unserem Insolvenzverfahren stellen musste – noch nicht so richtig vorstellbar. Ich habe mich oft gefragt, ob das Doppel von „Interessenausgleich und Sozialplan“, entstanden unter wirtschaftlichem Druck und gefasst in einem engen juristischen Korsett, fair für alle am Verfahren Beteiligten und die Betroffenen enden kann. Wohl kaum.

RNF geht (wenn der Insolvenzplan angenommen wird, wovon aber auszugehen ist) mit gut 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in die mediale Zukunft, schuldenfrei und mit ausgeglichener Ertrags- und Kostenstruktur. 30 Leute – das ist exakt das Niveau, mit dem vergleichbare Sender in anderen Regionen Deutschlands operieren. Unser (wenn auch reduziertes) Team ist erfahren, kreativ, vorwärtsgewandt. Meinungsstark, themenversessen, schnell, produktiv. Mit Leidenschaft für die Region, aus der wir berichten. Es hat in den vergangenen Jahren technisch neue Standards im privaten Regionalfernsehen gesetzt und mit revolutionär neuen Workflows die Qualität der Berichterstattung spürbar erhöht. All das bringen wir mit, wenn wir demnächst Mitglied der Haas-Familie werden.

Dies ist unsere Pressemitteilung vom 26. Oktober:

Die Nachricht, dass die Dr. Haas Mediengruppe den Regionalsender Rhein-Neckar Fernsehen übernehmen will, sorgt für Erleichterung und Zuversicht bei der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern. Demnach beabsichtigt die Dr. Haas Mediengruppe, zu der u.a. auch der Mannheimer Morgen gehört, alle Anteile vom bisherigen Alleingesellschafter Bert Siegelmann zu übernehmen.

Am 25.10.2018 hat die Geschäftsleitung der Rhein-Neckar Fernsehen GmbH (RNF) beim Amtsgericht Mannheim den Insolvenzplan eingereicht. Wenn die Gläubiger dem Insolvenzplan zustimmen, steht der Zukunftslösung des Regionalsenders durch den neuen Investor nichts mehr im Wege. Die RNF hatte Anfang Juli 2018 den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, da es nach dem Verlust des Produktionsauftrags für das RTL Regionalfenster in Zahlungsschwierigkeiten geraten war.

Zukunftslösung für Fernsehsender kurz vor der Ziellinie


Den Insolvenzplan hatte die Eigenverwaltung mit den Sanierungsexperten der Kanzlei Papst Lorenz + Partner, Mannheim und dem vom Amtsgericht bestellten vorläufigen Sachwalter, Rechtsanwalt Tobias Wahl von anchor Rechtsanwälte aus Mannheim erarbeitet und abgestimmt. Das Sanierungskonzept und der Insolvenzplan sehen eine deutliche Kostenreduzierung infolge eines erheblichen Mitarbeiterabbaus und einen entsprechenden Gläubigerverzicht vor. In Folge dessen wird die Fortführung des 24-Stunden-Fernsehsenders bei Erhalt von über 30 Arbeitsplätzen ermöglicht. Die Dr. Haas Mediengruppe hat als Investor zur Umsetzung des Insolvenzplanes bereits erhebliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt.

Sendelizenz und Sendeumfang bleiben erhalten

„Mit Blick auf die Herausforderungen für alle Mediengattungen ist eine gemeinsame Zukunft mit der Dr. Haas Mediengruppe ein guter Weg für RNF“ sagt Bert Siegelmann, der das Unternehmen  seit 1994 geführt hat und ihm als Berater verbunden bleibt: „RNF als das lizenzierte, tagesaktuelle Fernsehen für die Metropolregion Rhein-Neckar wird so seinen Informationsauftrag nach über 32 Sendejahren seit Gründung auch weiter nachkommen können.“

Restrukturierung ermöglicht positive Perspektive

Der von der Geschäftsleitung gemeinsam mit dem Betriebsrat vereinbarte Interessenausgleich und Sozialplan sieht vor, dass der private Fernsehsender bis Ende Januar 2019 die Belegschaft um 11 Stellen reduziert. Gleichwohl wird RNF sein Programm im gewohnten Umfang sowie wie bisher Dienstleistungen im Bereich Video- und Eventproduktion anbieten. „Die Grundlage für den Erhalt der Leistungsfähigkeit haben wir bereits seit 2016 mit einem umfassenden Innovationsprozess geschaffen“, sagt Ralph Kühnl, der RNF nach dem Ausscheiden von Bert Siegelmann als alleiniger Geschäftsführer vorstehen soll.

Erhebliches Potential



„Die Dr. Haas Mediengruppe ist davon überzeugt, dass die Metropolregion auch weiterhin ein journalistisch anspruchsvolles Medienangebot in Zeiten von Fake News und Social Media benötigt“, so Dr. Björn Jansen, Sprecher der Dr. Haas Geschäftsführung. „Mit unserem Engagement bei RNF wollen wir dazu beitragen, dieses Angebot zu erhalten und in der Zukunft noch weiter auszubauen. Gleichzeitig bietet der Einstieg bei RNF der Haas Mediengruppe die Chance, ihre Aktivitäten in der Metropolregion sowohl im Medienangebot als auch im mediennahen Dienstleistungssegment deutlich zu erweitern.“

Konstruktives Handeln aller Beteiligten

Sachwalter Tobias Wahl strebt die Aufhebung des Verfahrens durch das Amtsgericht Mannheim bis Ende des Jahres an. „Alle Beteiligten haben in den zurückliegenden Wochen sehr konstruktiv an dem jetzt vorliegenden Lösungsvorschlag gearbeitet, sodass das Verfahren sogar schneller als ursprünglich veranschlagt zu einem positiven Ende kommen könnte.“