RNF

Alles wird anders. Immer.

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Ich bin erschrocken. Der letzte Artikel hier im Blog datiert vom Oktober 2018. Ich schrieb davon, dass wir bei RNF über den Berg seien, ein Investor den Sender aus der Insolvenz lösen würde – die Haas-Gruppe, Mutter unter anderem des “Mannheimer Morgen”. Ja, genau so ist es passiert.

Was folgte, waren Tage, Wochen und Monate intensivster Arbeit. Unter anderem der Grund, weswegen dieses Blog brach lag: Keine Zeit. Aber: Der Sender integrierte sich in die Haas-Gruppe. Wir suchten und identifizierten Potenziale, wie sich Verlag und Fernsehsender bestmöglich ergänzen könnten. Wir wollten die Fehler anderer solcher Konstellationen nicht machen. Wir wollten besser sein. Ein Riesen-Engagement auf allen Seiten. Kompliment an die Kolleg*innen.

Was wir alle nicht auf dem Radar hatten – was niemand auf dem Radar hatte: Im ersten Quartal 2019 brachen die Werbemärkte ein, branchenweit. Gegensteuern war schwierig bis unmöglich, die Handlungsräume wurden immer enger. Der gerade erst durch eine Insolvenz sanierte TV-Sender schrieb abermals rote Zahlen. To make a long story short: Gut ein halbes Jahr lang sah sich der Verlag das mit an und entschied dann – nachdem sich kein Licht am Ende des Tunnels ausmachen ließ, das Defizit einfach nicht kleiner werden wollte – das Geschäftsfeld Regionalfernsehen nicht weiter fortzusetzen.

Das bedeutete: Wieder zum Amtsgericht, wieder Insolvenz anmelden – wegen drohender Zahlungsunfähigkeit. Diesmal in einem Regel-Insolvenzverfahren gelang es, weitere Sanierungspotenziale zu realisieren, heißt im Klartext: Es mussten weitere Stellen reduziert werden, um ansatzweise ein den Erlösen angepasstes Aufwandsgerüst zu kreieren. Dass haarscharf vor der Entscheidung, ob der Sender in der Insolvenz weitergeführt oder geschlossen werden sollte, ein Wirtschaftsplan entstehen konnte, der Hoffnung auf eine Zukunft machte, ist vor allem der Landespolitik in Baden-Württemberg zu verdanken: Die Regierungskoalition verständigte sich auf ein Förderprogramm von 8,4 Millionen im Doppelhaushalt 2020/21 für die sieben Must-Carry-Regionalsender im Land, das nun vor aller Voraussicht nach im Parlament verabschiedet werden wird. Nach der Novelle des Landesmediengesetzes ergibt sich für die Sender nun die Chance, ein ausgeglichenes Jahresergebnis vorzulegen.

Was den Sender außerdem am Leben erhielt: Der unbedingte Wille seiner Mannschaft, immer und immer weiter zu machen. Den Sendebetrieb nicht einzustellen. Sondern immer noch einen draufzulegen. Immer von der Hoffnung getrieben, dass sich eine Lösung ergeben würde, wenn man nur lang genug durchhielte. Und – wie sich zeigte: Der Kampf lohnte sich.

Es war für den ehemaligen Gesellschafter, die Haas-Gruppe, nicht ernsthaft vorherzusehen, dass die Politik den Weg zum neuen Fördermodell nehmen würde – das muss man ihr zu Gute halten. Gleichwohl brauchte RNF nun, da der Weg geebnet war, einen neuen Gesellschafter, um das Insolvenzverfahren beenden zu können. Er fand sich in der Person von Dr. Andreas Schneider-Neureither, Gründer und CEO des Heidelberger IT-Unternehmens SNP SE. Zu seiner Motivation gibt es einen ausführlichen Artikel auf RNF.de, der gleichzeitig auch die Pressemitteilung zu diesem Vorgang war.

Dr. Andreas Schneider-Neureither, Alleingesellschafter der Rhein-Neckar-Fernsehen & TV-Produktion GmbH

Seit dem 15. Januar 2020 ist RNF also im Wiederaufbau, auch gesellschaftsrechtlich in einen neuen GmbH-Mantel gekleidet. Wir können sagen: Der Start war viel versprechend, der Markt reagierte positiv auf die neue Konstellation, auf die angestrebte Programmreform, auf den Innovationspfad, den wir uns selbst verordnet hatten.

Dann kam Corona.

Jetzt ist Ende April 2020. Wir arbeiten. Viel. Und senden. Fernsehen entsteht Homeoffice. Wir haben unser Geschäftsmodell angepasst, bieten neue Dienstleistungen an, produzieren jetzt auch Gottesdienste und Webinare, und haben dennoch unsere Programmreform weiter konsequent vorangetrieben und unsere digitalen Kanäle weiter gestärkt. In der Coronazeit ist unser Sendeportfolio gewachsen wie nie zuvor. Wir sind auf dem Weg.

Dieser Blogartikel kann kaum die Achterbahn wiedergeben, die wir in den vergangenen anderthalb Jahren erlebt haben. Er stellt die Chronologie dar. Er füllt die zeitliche Lücke. Er eröffnet ein neues Kapitel.