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Kulturelle Datenbasis

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Heute bin ich beim regionalen Herumsurfen in Sachen Big Data auf das “Cultural Mapping” im “KulturRaumStadt” der Stadt Mannheim auf dem Weg zur Kulturhauptstadt 2020 gestoßen.

Die Stadt georeferenziert kulturelle Projekte und Fortschritte in der Stadtentwicklung auf einer interaktiven Karte.

Cultural Mapping ist ein Prozess, der zur Erhebung, Dokumentation und Visualisierung, kurz zur Kartierung von Kultur dient. Cultural Mapping wird als Instrument kommunaler Entwicklung beschrieben, um kulturell wichtige Ressourcen einer Stadt unter Partizipation der Bevölkerung zu identifizieren und dokumentieren.

Die Idee:

Die dabei entstehende und beständig zu aktualisierende Datenbasis und Karte kann vielfältig eingesetzt werden: Als Planungsgrundlage für den Entwicklungsprozess der Stadt, als Grundlage für Analysen der Kulturszene, zur Vernetzung der beteiligten Akteure, als Kommunikationsinstrument mit den Bürgern, als Reisekarte für den Tourismus und als Instrument der Identitätsbildung einer Stadt.

Die fortgeschriebenen Inhalte der Datenbank sollen die Basis für Kommunikation und Diskussion im Rahmen der Bürgerbeteiligung sein. Dieser Prozess hat noch nicht begonnen. Gleichwohl: Schon jetzt zeigt das Tool die beeindruckende Fülle an Kreativität und Kultur in den verschiedensten Ecken der Stadt. Und so mancher Klick birgt ein Aha-Erlebnis – etwa, weil man ein kulturelles Angebot nicht oder nicht in dieser Anzahl oder nicht bei einer bestimmten Organisation vermutet hatte. Wenn nun noch eine qualitative Komponente dazu kommt, wird das Cultural Mapping zu einem zielgenauen Kulturführer.

Cultural_Mapping_Mannheim_2020

Screenshot-Quelle: Link

Interessant, dass wieder die Aggregation von Daten eine Rolle spielt. Big Data in nicht ganz so großem Ausmaß. Aber eine Anwendung, die man auch als Teil einer Initiative zur Bildung einer Digitalkultur in der Bevölkerung interpretieren könnte. Denn durch die intuitive Anwendung der technischen Möglichkeiten bei der gleichzeitigen Erfahrung, dass die Anwendung einen Zusatznutzen bringt, steigt ihre Akzeptanz. Grundsätzlich sehe ich zurzeit aber noch das Problem, dass Angebote dieser Art zu versteckt sind, keine große Verbreitung haben und letztlich noch keinen “banalen” Nutzen bringen. Noch interessanter wäre die interaktive Kulturkarte, wenn die darauf verzeichneten Eventlocations gleich mit einem Ticket-Verkauf verlinkt wären, wenn das Programm des angeklickten Hauses aufploppen würde, wenn es gar ein aus den Programmdaten der einzelnen Locations ein aggregiertes Kultur-Programm für die gesamte Stadt abzurufen gäbe. Das würde sowohl eine rechtliche Harmonisierung als auch eine Harmonisierung der Feeds bedingen. Womöglich würde man eine auf die individuellen Neigungen abgestimmte “Kulturroute” angezeigt bekommen: Vorglühen, Hauptprogramm, After-Show-Party, gerankt nach Distanzen, Kosten, Programmqualität. Da wären wir dann bei einer tiefen Vernetzung der Dinge und damit wieder beim Internet of Things. Ich glaube: Je nutzbringender die Anwendung ist, je näher an der Lebenswirklichkeit und dem täglichen Bedürfnis sie sich orientiert, je mehr sie die eigene Kreativität beflügelt und gleichzeitig einfach zu bedienen ist, um so erfolgreicher wird ihr Konzept in der breiten Masse – und nicht nur in der Riege der Spielkinder – sein.

Grundsätzlich könnte das Cultural Mapping Element des bevorstehenden Films werden – obwohl es mir fast schon als zu erklärungsbedürftig erscheint, als dass man es in wenigen Sekunden vorstellen könnte.