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Trump – und was nun? Interview mit ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach für RNF

Interview Wambach

Lesezeit: 179 Sekunden

„Das Wirtschaftskonzept von Donald Trump ist nicht ausgegoren“: Im RNF-Interview skizziert Prof. Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (Mannheim) die möglichen Folgen der Dekret-Politik der Trump-Administration für Europa.

Von Ralph Kühnl

„In Trumps Politik finden sich Inkonsistenzen: Er will die Infrastruktur stärken, was dazu führen wird, dass die Importe steigen. Die amerikanische Notenbank Fed wird die Zinsen erhöhen, der Dollar wird noch mehr steigen, was dazu führen wird, dass noch mehr Importe in die USA fließen. Auf der anderen Seite hat er seine protektionistischen Maßnahmen, er will NAFTA neu verhandeln – das ist nicht ausgegoren.“ – so analysiert Prof. Achim Wambach in einem RNF-Interview die ersten Tage der Trump-Politik aus ökonomischer Sicht. In dem fünfzehnminütigen Gespräch, das in dieser Woche im Programm des Rhein-Neckar Fernsehens ausgestrahlt wird, stellt er die Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen den USA und Europa dar.


VIDEO „5ZEHN“: Das Interview mit Prof. Achim Wambach in voller Länge

Die Sendezeiten im TV-Programm von RNF

  • Freitag, 3. Februar, 20:30 Uhr
  • Samstag, 4. Februar, 22:30 Uhr
  • Sonntag, 5. Februar, 16:15 Uhr
  • Dienstag, 7. Februar, 20:45 Uhr
  • Mittwoch, 8. Februar, 12:15 Uhr
  • Freitag, 10. Februar, 20:30 Uhr

In den vergangenen Tagen hatte die neue US-Administration in volkswirtschaftlicher Hinsicht auch Deutschland ins Visier genommen – beispielsweise in Person von Trumps Berater Peter Navarro, Chef des nationalen Handelsrates. Er sagte, Deutschland beute seine Handelspartner durch einen schwachen Euro aus. Außerdem gebe es ein „strukturelles Ungleichgewicht“ Deutschlands im Handel mit dem Rest der EU und den USA, weshalb die Europäische Union nicht als einheitlicher Partner gesehen werden könne.

„Es wird suggeriert, dass der unterbewertete Euro eine bewusste Politikentscheidung sei“, so Wambach, „dabei ist das eine Entscheidung, die von Millionen von Akteuren im europäischen Raum getroffen wird. Es gibt nur eine politische Entscheidung, das ist die der EZB. Wir haben niedrige Zinsen, aber das aus gutem Grund: Wir haben noch eine Wirtschaftskrise in Europa, die die Amerikaner nicht haben. Also: Ja, Deutschlands Außenhandel profitiert von einem schwachen Euro, aber es ist nicht so, dass das eine Währungsmanipulation ist, dass da eine Strategie der Regierung dahinter steht.“

Auch andere Länder hätten die Vorwürfe Trumps ereilt, China und Japan beispielsweise, so der ZEW-Präsident: „Hier wird im Moment in alle Richtungen gepoltert. Ich denke, das ist der Auftakt für spätere Verhandlungen.“

Gepolter mit Konsequenzen: Nicht nur die aus den USA gesendeten Signale verhießen Unsicherheit für Unternehmer in Europa, auch der Brexit – den Wambach als „richtiges Problem“ und tiefe Zäsur für Europa sieht – trage dazu bei: „Die Unsicherheit schlägt sich typischerweise darin nieder, dass Investitionen aufgeschoben werden.“ Dies gelte auch für die USA selbst in Bezug auf die Abgrenzung von Mexiko: „Da schneidet sich Donald Trump ins eigene Fleisch. Die Unsicherheit führt ja nicht dazu, dass die Investitionen automatisch verlagert wird, sondern dazu, dass abgewartet wird.

Für die Zukunft sieht Wambach Europa in der Pflicht zusammenzustehen: „Der europäische Wirtschaftsraum ist mit 500 Millionen Einwohnern und 14 Billionen Euro Bruttosozialprodukt ein relevanter Verhandlungspartner. Unsere Verhandlungsposition wäre wesentlich schlechter, wenn jedes Land anfangen würde mit den USA individuelle Vereinbarungen zu treffen.“ Politisch könne die aktuelle Gemengenlage dazu führen, dass Europa wieder enger zusammenarbeitet.

In weiteren Aspekten des Interviews nimmt Achim Wambach dazu Stellung, wie sich die verändernden Rahmenbedingungen Einfluss auf auch beratende Wirtschaftsforschungsinstitute wie das ZEW Einfluss haben. Unter anderem sei es wichtig, dass in Zeiten von „alternativen Fakten“ die Institute einen Beitrag zum rationalen Diskurs leisten und nicht zum emotionalen Diskurs.

(Dieser Artikel erschien zuerst auf RNF.de)